02. April 2021
LEERE BALKONE
Das Altersheim ist ein Neubau. Drei Stockwerke mit Einzimmerwohnungen: zur Straße hin ausgestattet mit geräumigen Balkonen. Wenn ich vormittags auf dem Weg zum Einkaufen an ihrem Heim vorbeiradelte, winkte mir Brunhilde, manchmal noch im Nachthemd, aus dem dritten Stock zu und wünschte mir einen guten Tag und guten Weg. Eines Morgens blieb ihr Platz leer. Die roten Geranien auf ihrem Balkon blühten noch eine Woche. Dann ließen auch sie die Köpfe hängen und verdorrten. Nur ihr Kater...
09. März 2021
Meine Registerarie zum internationalen Frauentag
Eine Unschuldslilie für Emilie das Feigenblatt für Sujata Bhatt für Semra Ertan das Blümchen-rühr-mich-nicht-an eine Ackerwinde für Rosalinde eine Ackerraute für Traute eine Anemone für Simone für Svea eine Bougainvillea für Filiz eine Amaryllis für Anke die Gertenschlanke eine Je-länger-je-lieber-Ranke für Edeltraut ein Tausendgüldenkraut Veronika für Malika ein aztekisches Blumenrohr für Nancy aus Ekuador für Margarete eine Engelstrompete für Elisabeth ein Regenbogenbukett...
04. März 2021
Heute habe ich ein neues Wort kennengelernt, kein Fremdwort, keinen Anglizismus, sondern eine neue deutsche Wortschöpfung: Impfling. Als Impfling mit der Kennziffer 84ML-DZQF-ZV26 habe ich heute Morgen das Hamburger Corona-Impfzentrum in den Messehallen Schritt für Schritt durchlaufen. Ich habe diese Prozedur ohne Blessuren überstanden, habe bei der Impfung nicht den geringsten Schmerz empfunden und hatte auch danach keinerlei Beschwerden. In den Messehallen war von Hektik und Ängsten wenig...
25. Februar 2021
Ich glaube an Gott den einen, den alleinen, den dreieinigen, der sich den Menschen unter drei Namen offenbart: Jahwe Gottvater Allah Ich glaube an Gott den einen, den alleinen, den dreieinigen, der zu den Menschen drei Religionsstifter herabsendet: Moses Jesus Mohammed Ich glaube an Gott den einen, den alleinen, den dreieinigen, der den Menschen sein Heiliges Buch in drei Bänden anvertraut: Thora Evangelium Koran PETER SCHÜTT (geschrieben am 21.2.2021, dem Tag der Erinnerung an 1700 Jahre...
22. Januar 2021
Zusammen mit meiner weitverzweigten schwarzen und weißen Verwandtschaft in den USA freue ich mich sehr über die bewegende und ermutigende Amtseinführung von Joe Biden, die ich aufmerksam am Bildschirm verfolgt habe. Ich habe meine Ohren gespitzt, als ein Jesuitenpater das Eröffnungsgebet sprach. Er stellte sich als Schüler von Peter Delp vor. Ich bin zu Beginn meines religiösen Pilgerwegs mit 20 Jahre katholisch geworden. Der Jesuit, der mich damals in die Kirche aufnahm, war Pater...
03. Januar 2021
Unterwegs
UNTERWEGS Trotz Corona, trotz Pandemie, trotz Lockdown, trotz Mund- und Nasenmaskenpflicht, trotz endloser Warndurchsagen bin ich in Bahn und Bus unterwegs: Unterwegs zu dir. Mein Leben war – bewegt. Ich war zeitlebens unterwegs. Ich bin weit herumgeirrt Ich suchte im Schatten nach Licht und war doch mit Blindheit geschlagen. immer neue Fragen! Und dennoch war ich unentwegt und trotz allem Wirrwarr unbeirrbar unterwegs auf meinem Weg zu Dir. PETER SCHÜTT
31. Dezember 2020
Zeit für Einkehr und Umkehr
Zu „Was will uns das Virus sagen?“ (F.A.Z. vom 10. Dezember): Meinen spontanen Dank für den Beitrag von Edo Reents. Seine Betrachtungen gehören in meinen Augen zu den bemerkenswertesten und bedenkenswertesten Diskussionsbeiträgen zum alles beherrschendem Thema dieses Jahres. Ich bin Muslim und zähle mich trotzdem nicht zu den „religiösen Scharfmachern“, vor denen der Autor im Eingang warnt. Auch ich lehne die Auffassung ab, die Pandemie sei eine „Strafe Gottes“. Und doch meldet...
04. Dezember 2020
In der Wochenzeitung "DIE ZEIT" vom 25.6.2020 steht auf der Seite 15, "Geschichte", eine Erinnerung von Petrer Schütt an seine Beteiligung am Sturz des Kolonialdenkmals Im Garten der Hamburger Universität am 8.8.1967. "Der Anschlag auf das Kolonialdenkmal im Garten der Hamburger Universität war nicht von langer Hand geplant. Für mich war es eher ein spontaner und persönlicher Racheakt...." mehr in "DIE ZEIT" hier klicken
03. Dezember 2020
09. November 2020
GÖTTLICHE FARBENSPIELE Das Evaskostüm meiner Liebsten hat unser himmlischer Modeschöpfer mit einem Reigen bunter Farben ausgeschmückt. Als alter weißer Mann erblasse ich vor Neid. Sie stellt mich bloß. Sie ist farbig. Ich bin farblos. Ihr schwarzes Haar ist mit Silberstreifen durchwirkt. Ihre Stirn wechselt je nach Laune zwischen Mandel und Karamell. Ihr Nacken schwillt rot an, als hätte sie ein Feuersalamander geküsst. Ihr Rücken gleißt wie eine türkische Kupferkanne. Ihre Füße...

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